Herrengasse 2, Klagenfurt

Herrengasse 2, Klagenfurt

Kärnten, 2016

Durchgeführte Leistungen:

  • Baugenetische Bestandserhebung
  • Bauhistorische Untersuchung / Bauforschung
    • Baugenetische Befundung
    • Interventionsbezogene Detailuntersuchung
    • Dendrochronologische Untersuchung

Objektgeschichte:

Das Haus in der Herrengasse 2 liegt mitten im ältesten Kern von Klagenfurt, am nord-westlichen Ausgang des Alten Marktes. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Stadt Klagenfurt in den Quellen zu finden. In den ersten Jahrhunderten waren viele der Häuser noch Holzbauten, mit ein Grund weshalb die Stadt immer wieder mit Bränden kämpfen musste. Im Jahre 1518 schenkte Kaiser Maximilian I. die in diesem Jahr abgebrannte Stadt den Landständen. In diesem „Gabebrief“ schreibt der Kaiser ausschließlich den Bau von steinernen Häusern mit Zinnen und verborgenen Dächern vor. Es ist anzunehmen, dass im 16. Jahrhundert an so einem repräsentativen Platz inmitten des alten Stadtkernes früh ein „gemauertes Haus“ entstanden ist. Am Stadtplan von Klagenfurt aus dem Jahre 1605 aus dem Urbar Paumgartners Lobgedicht „Aristeion Carinthiae Claudiforum“ von Christoph Senfft ist an dieser Stelle ein Häuserkomplex vorhanden. Allerdings zeigt der Plan ein ganz anderes zusammengesetztes Ensemble als heute. Dieses Ensemble dürfte die Vorgängersituation des heutigen Hauses darstellen. Im Jahre 1636 erzählen die Quellen von einem neuerlichen Brand, der große Teile der Stadt in Mitleidenschaft zog. Nach dieser Brandkatastrophe dürfte das Ensemble neu aufgebaut worden sein, denn in Valvasors „Topographia Archiducatus Carinthiae Modernae“ aus dem Jahre 1688 ist das Gebäude in seiner jetzigen Kubatur dargestellt. Durch Sondagen konnte jedoch offensichtlich ältere Mauersubstanz gefunden werden, die auf eine Vorgängersubstanz schließen lässt.

Im 18. Jahrhundert wurde die heutige Fassadengliederung und Gestaltung ausgeführt (um 1760 -1780). Die Dippelbaumdecken im 1. Obergeschoß sind lt. dendrochronologischer Untersuchung (BOKU-Wien) im gesamten Geschoß in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Im 18. Jahrhundert dürften auch die Anbauten zur Abortnutzung im Arkadenhof durchgeführt worden sein.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden zum Teil folgenschwere Veränderungen am Gebäude durchgeführt. So wurden im Erdgeschoß einige der renaissancezeitlichen Gewölbe entfernt, sowie die Fensteröffnungen verändert und eine neue Eingangssituation geschaffen. Zwischen dem 2. und 3. Obergeschoß musste die historische Holzdecke wegen zu starker Schädigung entfernt werden. Das 3. Obergeschoß wurde ausgebaut und der Dachstuhl erneuert.

Nach einem erfolgten Besitzerwechsel soll das Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden, wodurch eine umfassende Bauforschung notwendig wurde.

Die renaissancezeitlichen Arkaden im Innenhof des Gebäudes.
Die Fensterausstattung stammt großteils aus dem 19. Jahrhundert.
Türausstattung aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die Balkendecken konnten durch eine dendrochronologische Untersuchung datiert werden.
Die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung.